Norbert Jacobsen (CEO, GreenBuild360)
Was ist ein Holz-Lehm-Verbundsystem?
Ein Holz-Lehm-Verbundsystem kombiniert die hohe Zugfestigkeit von Holzbauteilen mit der Masse und dem Brandschutzpotential von Lehm. Diese hybride Bauweise dient primär als Deckenkonstruktion im mehrgeschossigen B2B-Bau, um statische Anforderungen mit bauphysikalischen Vorgaben zu vereinen.
Auf einen Blick
- 60 Minuten: Erreichbare Feuerwiderstandsdauer durch Lehm-Beigabe.
- 15-20 %: Reduzierung der Schallübertragung im Vergleich zu reinen Holzdecken.
- 0 % Klebstoff: Fokus auf mechanische Verbindungen für sortenreine Rückbaubarkeit.
- Regionalität: Einsatz von lokal verfügbaren Lehm- und Holzressourcen.
Key Takeaways
- Statischer Verbund: Lehm erhöht die Steifigkeit und verbessert das Schwingungsverhalten.
- Brandschutzvorteile: Die natürliche Feuchtespeicherung und nicht-brennbare Struktur des Lehms schützt die tragende Holzkonstruktion.
- Zirkuläre Bauweise: Trennbare Verbindungen ermöglichen das Recycling beider Stoffe am Ende des Lebenszyklus.
Einleitung
Der moderne Geschossbau steht vor der Herausforderung, strenge ESG-Kriterien mit wirtschaftlicher Effizienz zu vereinen. Insbesondere die Kombination aus Schallschutz und Brandschutz in Holzkonstruktionen war bisher oft mit komplexen, materialintensiven Schichtaufbauten verbunden.
Neue Forschungsergebnisse, die auf dem Süddeutschen Holzbau-Kongress 2026 vorgestellt wurden, markieren hier einen technologischen Fortschritt. Holz-Lehm-Decken bieten durch die Synergie ihrer Eigenschaften eine belastbare Lösung für Investoren und Kommunen.
Technologische Synergien von Holz und Lehm
Im gewerblichen Bau ist die Decke das kritische Element für den Schallschutz. Während Holz als leichter Baustoff bei Trittschall Defizite aufweisen kann, sorgt die hohe Rohdichte von Lehm für die notwendige Dämpfung.
Vergleich der Deckensysteme
| Kriterium | Holz-Massivdecke | Holz-Lehm-Verbund |
| Trittschallminderung | Gering | Hoch |
| Brandschutz (R30-R90) | Verkleidung nötig | Integrierter Schutz |
| Rückbaubarkeit | Sehr hoch | Hoch (mechanisch) |
Bedeutung für Brandschutz und Sicherheit
Lehm gilt als nicht-brennbarer Baustoff der Klasse A1. In einem Verbundsystem schirmt er den tragenden Holzkern ab. Dies ist für B2B-Projekte entscheidend, da Brandschutzauflagen im mehrgeschossigen Bau das Investitionsrisiko maßgeblich beeinflussen.
Entscheidungs-Checkliste
- Statische Vorprüfung durchführen -> Statiker einbinden.
- Feuchteschutzkonzept für Bauphase prüfen -> Trocknungszeiten einplanen.
- Rückbaupotenzial bewerten -> Mechanische statt chemische Verbindungen fordern.
- Zertifizierung (QNG) anstreben -> Dokumentation der Inhaltsstoffe sicherstellen.
Die Norbert-Ecke: „Holz-Lehm-Konstruktionen sind kein Trend, sondern eine logische Konsequenz aus dem Bedarf an grauer Energie-Reduktion. Die Kombination aus unserer NiTO-Technik und Lehm-Elementen ermöglicht heute Gebäude, die in 50 Jahren einfach demontiert statt abgerissen werden.“
FAQ
Wie lange dauert die Trocknung des Lehms? Die Trocknungszeit hängt von der Schichtdicke und Raumklimatik ab; moderne Fertigbau-Lehmplatten minimieren dies jedoch.
Ist die Konstruktion für das KfW 40 NH Siegel geeignet? Ja, aufgrund der stofflichen Transparenz und hohen Lebensdauer ist sie ein zentraler Baustein.
Wie verhält sich das System bei Feuchtigkeit? Lehm ist diffusionsoffen und reguliert das Raumklima positiv, erfordert aber einen fachgerechten konstruktiven Holzschutz.
Können auch bestehende Gebäude nachgerüstet werden? Eine statische Prüfung ist erforderlich, das Gewicht des Systems kann in Bestandsbauten limitierend wirken.
Kontakt
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