Norbert Jacobsen (CEO, GreenBuild360)
Was ist regeneratives Bauen?
Regeneratives Bauen geht über die reine Vermeidung von Umweltauswirkungen hinaus. Es strebt danach, Gebäude als Teil eines geschlossenen Stoffkreislaufs zu etablieren, die aktiv zur Regeneration lokaler Ressourcen beitragen. Dabei kommen primär nachwachsende Materialien wie Holz, Lehm und Stroh zum Einsatz.
Auf einen Blick
- 🌱 CO2-Speicher: Ein Kubikmeter Holz bindet etwa 800 bis 900 kg CO2 langfristig.
- 💧 Feuchteregulation: Lehm kann bis zu 10-mal mehr Feuchtigkeit aufnehmen als Gipsputz.
- 🧱 Rückbaubarkeit: Leimfreie Stecksysteme ermöglichen die Wiederverwendung von bis zu 95 % der Bauteile.
- 🏗️ Bauzeit: Vorfertigung im Werk reduziert die Montagezeit auf der Baustelle um bis zu 40 %.
Key Takeaways
- Materialwahl: Holz und Lehm sind als regenerative Baustoffe zentral für zirkuläre Konzepte.
- Bauphysik: Diffusionsoffene Konstruktionen unterstützen ein stabiles Raumklima ohne aufwändige Technik.
- Digitale Planung: Ein digitaler Materialpass dokumentiert alle Stoffflüsse für künftige Nutzungszyklen.
Die Bauindustrie steht vor der Herausforderung, den hohen Ressourcenverbrauch drastisch zu senken. Das Forschungsprojekt 'Think Earth' der ETH Zürich zeigt auf, wie durch die Kombination von Holz und Lehm in digitalen Ökosystemen zukunftsfähige Gebäude entstehen. Bei GreenBuild360 setzen wir genau diese Prinzipien durch das NiTO Holzstein-System und modulare Strohwände bereits in die Praxis um.
Die Kombination aus digitaler Planung und biologischen Baustoffen erlaubt es, Gebäude nicht nur als statische Objekte, sondern als dynamische Rohstofflager zu begreifen. Dies minimiert den Entsorgungsaufwand und sichert langfristig den Werterhalt der Immobilien für Investoren und Nutzer.
Materialvergleich: Regenerativ vs. Konventionell
| Kriterium | Holz-Lehm-System | Konventionelle Bauweise |
|---|---|---|
| CO2-Bilanz | Negativ (Speichernd) | Positiv (Emittierend) |
| Regulierung | Diffusionsoffen | Dampfdicht |
| Rückbaubarkeit | Mechanisch trennbar | Verbundwerkstoffe |
| Wohngesundheit | Regulierende Sorption | Geringe Pufferwirkung |
Digitale Ökosysteme und Bauphysik
Die Forschung zeigt: Erst durch digitale Zwillinge lässt sich die Materialzusammensetzung präzise erfassen. Dies ist die Voraussetzung für eine spätere Kreislaufführung. Unser NiTO-System nutzt diese Daten, um jedes Bauteil exakt zu definieren. Im Bereich der Bauphysik arbeiten wir mit diffusionsoffenen Aufbauten. Das bedeutet, Feuchtigkeit kann durch die Wand nach außen gelangen. Dies geschieht in Kombination mit einer obligatorischen Luftdichtheitsebene, die wir mittels Blower-Door-Test nachweisen. Diese Trennung ist für die Langlebigkeit der Konstruktion entscheidend.
Expertenmeinung
Norbert Jacobsen: 'Regeneratives Bauen ist kein bloßes Trendthema, sondern eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit. Wer heute so baut, dass Materialien später als Rohstoffe verfügbar bleiben, schützt sich gegen steigende Entsorgungskosten und erfüllt frühzeitig ESG-Kriterien.'
Entscheidungs-Checkliste
- Planen Sie eine Nutzungsdauer von über 50 Jahren? -> Wählen Sie rückbaubare Holz-Lehm-Systeme.
- Ist Raumklima ein zentraler Faktor? -> Lehmputze bieten hohe Feuchtepufferung.
- Benötigen Sie ESG-Konformität? -> Dokumentieren Sie alle verbauten Stoffe im digitalen Gebäude-Pass.
FAQ
Ist Bauen mit Lehm teurer als mit Gips? Lehm ist in der Anschaffung meist etwas teurer, reduziert jedoch durch seine feuchteregulierenden Eigenschaften die Notwendigkeit technischer Lüftungsanlagen. Das muss im Einzelfall geprüft werden.
Können Holzhäuser problemlos rückgebaut werden? Ja, unser NiTO-Holzstein-System ist leimfrei konstruiert und mechanisch verschraubt, was eine sortenreine Trennung der Holzbauteile ermöglicht.
Was bedeutet 'diffusionsoffen' genau? Es beschreibt die bauphysikalische Eigenschaft einer Wand, Wasserdampf durchzulassen, ohne dass Feuchtigkeit in der Konstruktion kondensiert.
Wie hoch ist der CO2-Fußabdruck eines Holzhauses? Durch die Verwendung von nachwachsenden Rohstoffen wie Holz und Stroh und die Vermeidung von energieintensiven Baustoffen kann die Graue Energie um ca. 50–70 % im Vergleich zu konventionellen Bauten gesenkt werden.
Kontakt
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